Das Schloß

Das am 12.7.1700 auf der Ostseite der grande Place für den Erbprinzen ==Georg Wilhelm begonnene S., das nach dem Tod des mutmaßlichen Architekten, des Tessiner Baumeisters Antonio della Porta (1702), bis 1704 von G.v. ==Gedeler vollendet wurde, erwarb Mgf. ==Christian Ernst am 12.9.1703, um es seiner dritten Gemahlin ==Elisabeth Sophie zu schenken. Den dreigeschossigen, gestreckten Sandsteinquaderbau von 20 x 5 Fensterachsen umläuft erdgeschossig eine Plattenrustika. Das erste Stockwerk ist durch die Segment- und Dreieckverdachungen der Fenster als Hauptgeschoss hervorgehoben. Während die Gartenfassade ohne weitere Schmuckformen auskommt, sind die Platzfassade und die Flanken über dem Sockelgeschoss in jeder Achse durch toskanische Pilaster gegliedert, die das Kranzgebälk tragen. Vorder- und Rückseite des Gebäudes besitzen flache, seitlich durchfensterte Mittelrisalite, die zum Platz vier, zum Garten aber – aufgrund der Anordnung der Treppenhäuser im Inneren – acht Achsen aufweisen. Auf der Attika der Hoffassade stehen als wohl von E. ==Räntz geschaffene Sandsteinfiguren Jupiter, Herkules (im Alter), Mars, Minerva, Herkules (in der Jugend) und Juno, über der Gartenfassade (als Sinnbilder für Feuer, Luft, Wasser und Erde als die vier Elemente, für Tag und Nacht sowie die damals bekannten Erdteile) Pluto, Ganymed, Neptun, Ceres, Diana, Apoll, Europa, Asien, Afrika und Amerika. Die durch Doppelfenster über dem Portal betonte Mittelachse des schmalen Risalits auf der Platzfassade ist durch einen Dreiecksgiebel abgeschlossen, in dem sich das bekrönte Doppelwappen von Christian Ernst und Elisabeth Sophie zwischen zwei preuß. Wilden Männern befindet. Die optische Wirkung des S. erhöhte urspr. das steilere Ziegeldach, das erst beim Wiederaufbau nach dem Schlossbrand von 1814 durch das heutige niedrige Schieferdach ersetzt wurde. Der Bau des nach seiner ersten Besitzerin auch Elisabethenburg genannten S. veränderte einerseits die Konzeption der Neustadt als reine Gewerbestadt; andererseits erhielt der große Platz auf seiner Ostseite die von J.M. ==Richter urspr. vorgesehene einheitliche, vornehme Gestaltung. Die östliche Platzhälfte als cour d′honneur einnehmend, bildet das S. zusammen mit Schlossgarten, ==Orangerie und ==Konkordienkirche das erste vollständig neu konzipierte, in sich geschlossene barocke höfische Bautenensemble Frankens. Nach einer kurzen Blüte als fürstlicher Aufenthalt diente es bis Beginn des 19. Jh. v.a. als ==Witwenresidenz, bevor es 1814 völlig ausbrannte und dann 1821–25 nüchtern-zweckmäßig für die FAU ausgebaut wurde. Diese richtete hier die Universitätsbibliothek, Hörsäle, Seminare und in den Weltkriegen Reservelazarette ein, nutzt es aber seit 1945 ausschließlich für die Verwaltung. Der urspr. Situation des S. entspricht noch das als dreischiffige Halle zu sechs Jochen angelegte Vestibül, das sich über die gesamte Breite des platzseitigen Risalites erstreckt und als direkte Verbindung zwischen Schlossplatz und -garten dient. Auf der Gartenseite führen jeweils seitlich Treppenläufe über Wendepodeste zum heutigen Senatssaal und zur Aula im ersten und zweiten Obergeschoss. Im ersten Stock ist der einstige Mittelsaal von drei Achsen in moderner Ausgestaltung vorhanden. Die letzte Fassadenrenovierung erfolgte 1985.