Als R. wird heute die Stelle im nordwestlichen Randbereich der Idealstadtanlage von 1686 (==Essay: Neustadt E) bezeichnet, wo die den inneren Kernbereich umschließende Ringstraße (grande Rue, heute Heuwaag- und Goethestraße) und die sie begleitende äußere Bebauung einen rechten Winkel bilden. Für das Verständnis der Planung J.M. Richters ist dieser städtebaulich sensible und für die Verkehrsführung schon immer problematische Bereich von größter Bedeutung, zumal die anderen drei geschlossenen Ecken nicht ausgeführt wurden. Im Plan, aber auch im Stadtbild, hatten die R. die Funktion, die nur sechsmal durch Straßenpassagen durchbrochene Kette der äußeren Hausgrundstücke ringsum fest zusammenzuschließen. Dadurch erst erhielt der als offenes Rastersystem gestaltete innere Bereich der Stadtanlage seine Stabilität, da er nicht beliebig ergänzt oder verändert werden konnte. Für die Achsen der Wasserturm-/Heuwaagstraße von Osten bzw. der Goethestraße von Süden bildet das R. einen Blickpunkt, auf den die Häuserreihen hinleiten. Die um 1966 entstandenen Pläne, die barocke Bebauung der Neustadt einheitlich durch dreigeschossige Häuser zu ersetzen und die Goethestraße nach Norden durch das R. durchzubrechen, blieben zum Glück unausgeführt. Nach einem Brand im Frühjahr 1980 in der Heuwaagstr. 20 erfuhr das aus dem Jahre 1689 stammende Haus eine trotz des intensiven Dachausbaus und der Verlängerung der Erdgeschossfenster behutsame Sanierung, bei der die urspr. Farbgebung wiederhergestellt und das Fachwerk seitlich des Durchgangs zum Hof freigelegt wurde, so dass hier die Bauweise der Stadtgründungszeit sehr gut nachzuvollziehen ist. Dagegen wurde in der gleichen Zeit am anstoßenden ehemaligen ==franz.-ref. Spital (Goethestr. 2) nicht nur die Fassade in ähnlicher Weise verändert, sondern auch der Kern des Gebäudes mit Pseudofachwerk und einem zusätzlichen Durchgang zur Westlichen Stadtmauerstraße ("Heuwaagpassage") weit stärker modernen Zwecken angepasst. 1985 stiftete der ==Heimat- und Geschichtsverein eine im Gehsteig vor dem R. eingelassene Granitplatte, die den Richterschen Stadtplan von 1686 zeigt.