Heuwaagstraße 20

  • erbaut 1689, in der Fassadenbildung herausragend
  • (Namenstafel Georg Friedrich Puchta, Pandektist = Ordinarius für röm. Recht)
  • Ältestes erhaltenes zweigeschossiges Normhaus von 1689.
  • Nachdem bei der Renovierung die barocke Haustür nach hinten versetzt wurde, ist das funktionale, über 300 Jahre alte Fachwerk im Hausgang frei zu besichtigen.
  • Wenn man dieses Fachwerk sieht, kann man nicht verstehen, dass die Erlanger Häuser häufig als armselig oder als „Flüchtlingsarchitektur“ bezeichnet wurden.
    • Die äußere Schlichtheit der Häuser ist ein ästhetisches Prinzip und hat nichts mir ihrer soliden Bauweise zu tun, die der von Bamberger Häusern dieser Zeit in nichts nachsteht.
    • Lichte Höhe 3,30 m bis zur soliden Balkenspunddecke.
    • Für ein Normhaus dieser Größe wurden 175-200 Baumstämme verwendet.
    • In gewisser Weise waren die Erlanger Häuser Vorläufer unserer Fertighäuser, sie waren multifunktional (also nicht gewerbespezifisch), alle Wohnungen waren gleich geschnitten, nur mit unterschiedlicher Grundfläche (zwischen 35 und 110 m²).
    • Die Häuser sind meist nur teilunterkellert (Tonnengewölbe aus Sandstein, 5-7 m lang, Scheitelhöhe 2,20 m).
    • Auf dem Fundament wurde das Fachwerk aufgerichtet. Die Stämme kamen aus den markgräfliche Wäldern (Emskirchen, Neustadt/Aisch), wurden dort bereits maßgerecht zubehauen und als fertige Balken durch Fronfuhren nach Erlangen gebracht. So konnte das Gerüst schnell aufgebaut werden.
    • Das Riegelfachwerk wurde dann mit Ziegeln und Bruchsteinen bzw. Lehm und Stroh ausgemauert. Verputzt wurde die ganze Fasssade, auch die Balken (Einkerbungen!).
    • Die Tür war meist mittig, der Hausgang führte von der Straße zum Hof, zu beiden Seiten lagen gleiche Wohneinheiten.
    • Nach vorne zur Straße lag die beheizbar Stube (viele Fenster; keine Trennung von Wohnen und Arbeiten, daher Licht wichtig!), hinten lag die Küche und eine unbeheizbare Kammer. Im oberen Stockwerk war die Raumaufteilung gleich. Treppen außerhalb der Wohnungen.