Hausgeschichte und Baugeschichte

  • 1702 wurde das Haus von Johann Tietel (siehe Initialen im Eckstein mit der Traube) als eingeschossiges Eckhaus erbaut. Das Haus ist ein typisches Erlanger Barockhaus.
  • 1706 erhielt das Haus das Schankrecht, früher Tabernrecht, und hieß „Gasthaus zur goldenen Traube“.
  • 1710 wurde das Haus aufgestockt und die Lücke zum Nachbarhaus geschlossen. Das neue Obergeschoss, die „bel étage“, erhielt verzierte Stuckdecken und eine barocke Treppe. In der Paulistraße wurde ein kleineres Nebengebäude sehr wahrscheinlich als Stall errichtet.
  • 1751 wurde das Haus von der Witwe Maria, R., W. von Stegaurach (geb. Hüls von Rathsberg) an die Witwe Magdalena Hofmann (geb. Schreiber) für 4000 Gulden verkauft.
  • 1756 geht das Tabernrecht an das gegenüberliegende Haus, heute immer noch der „Schwarze Ritter“, der früher die Zunftherberge der Rotgerber war. Der ehemalige Stall wird mit dem Haupthaus verbunden und aufgestockt mit Laubengang zur Hofseite.
  • 1761 vererbt Frau Hofmann das Haus an ihren Enkel Johann Höflich.
  • 1820 vererbt Johann Höflich das Haus an seine Geschwister. Am 14.11.1820 verkaufen die Geschwister an med. Rat. Dr. Johann Kittlinger.
  • 1856 vererbte Kittlinger an seine Frau Karoline und seine Kinder Karl Julius und Mathiilde. Der Sohn starb 1868, Mathilde heiratete den Juristen Georg Joseph Gareis. Das Haus blieb bis 1955 im Besitz der Familie Gareis.
  • Im 19. Jahrhundert bewohnen verschiedene Professoren, Zeichenlehrer oder Dozenten das Haus. Bis Mitte des 20. Jahrhundert sind verschiedene Anwaltskanzleien im Haus. Die jeweiligen Besitzer haben das Haus nicht bewohnt.
  • Der bauliche Zustand ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts schlecht. In der Nachkriegszeit wird das Haus von mehreren Familien bewohnt.
  • Ca. 1955 erwirbt die Arztfamilie Klopfer das Haus. Das Dach wird ausgebaut und zum Hof hin aufgestockt, das historische Treppenhaus wird teilweise zerstört und der Eingang in die Paulistraße verlegt.
  • Bis in die 90er Jahre ist die Orthopädiepraxis Klopfer im Haus eingerichtet und das Nebengebäude wird von der Elektronikfirma Kaltenbach genutzt.
  • 1993 - 2006 wird das Haus für Amtsräume des Landratsamtes Erlangen - Höchststadt genutzt.
  • 2006 geht das Haus in den Besitz der Firma OMICRON über.
  • 2008/09 erfolgt eine Generalsanierung des Hauses,
    • Treppenhaus und Innenräume erhalten ihre ursprüngliche Form zurück.
    • Die Stuckdecken werden freigelegt und restauriert.
    • Der Eingang wird wieder in die Goethestraße zurückverlegt, die Fenster werden komplett erneuert und nach historischem Vorbild mit barocker Sprossenteilung hergestellt.

Geschichte der Innenräume

Eingangsbereich:

  • typische barocke Balken- Bohlendecke.
  • Durch Bohrkernanalyse der Deckenbalken wurde das Alter der Balken bestimmt und damit die Baugeschichte erforscht (siehe blaues Poster Baugeschichte).
  • Die OMICRON Philosophie in historischer Schrift im Eingang verbindet Firmen- und Hausgeschichte. Die dicke Zwischenwand im Ampere ist die ehemalige Außenwand, im Deckenbalken sieht man den Bohrkern.

Treppenhaus:

  • barocke Treppe, Original und teilweise Nachbau.
  • Die Baluster mussten auf die Höhe von 1,10 m ergänzt werden (Bauvorschrift für öffentliche Gebäude), die Maserung wurde aufgemalt.

Bel étage:

  • die Stuckdecken wurden um 1710 ausgeführt, als das Haus aufgestockt wurde.
  • Sie wurden 2008 aufwändig restauriert und wieder mit Kalkfarbe gestrichen. Solche Decken befanden sich nur in vornehmen Häusern.
  • Im 1. OG befinden sich zwei originale Türen aus der Bauzeit mit originalen Beschlägen. Die Motive der Scherenschnitte auf den WC – Türen stammen aus der Barockzeit und zeigen wie wohlhabende Leute zur Bauzeit des Hauses gekleidet waren.
  • Auf der Tür im 1. OG ist Goethe abgebildet.
  • Der Flur der Paulistraße war früher ein typischer offener Erlanger Laubengang.
  • Heute werden die Räume als Büros und Schulungsräume genutzt und stellen ein gelungenes Beispiel für historische Bausubstanz und moderne Nutzung dar.