Mit freundlicher Genehmigung der Erlanger Nachrichten
Nach rund 16 Monaten Bauzeit sind am Freitag die letzten Arbeiten zur Sanierung der
Goethestraße weitgehend abgeschlossen worden. Oberbürgermeister
Siegfried Balleis gab die wichtige Straße um 11 Uhr wieder für den
Verkehr frei, ab 12 Uhr fuhren die Linienbusse. Die Anwohner und
Geschäftsleute bekräftigten auf einer Versammlung am Vorabend ihre
Skepsis darüber, ob der Ausbau eine Verbesserung darstelle.
Schon kurz nach der Freischaltung der Ampeln erprobten die Busse den neuen Straßenbelag in der Goethestraße.
Foto: Bernd Böhner
Schon kurz nach der Freischaltung der Ampeln
erprobten die Busse den neuen Straßenbelag in der Goethestraße.
Der „Ansturm“ des Busverkehrs auf die wieder eröffnete
Goethestraße wurde am Donnerstagabend auf einer Versammlung der
Goethestraße-Anwohner und der Geschäftsleute vorweggenommen. Bei dem
Treffen, an dem auch Stadträte der CSU, der SPD, der Grünen und der ÖDP
teilnahmen, wurde noch einmal betont, dass — so Frank Höppel von der ÖDP
— die nördliche Innenstadt erst ein neues Verkehrskonzept benötigt
hätte, und erst dann der Umbau der Goethestraße hätte erfolgen sollen.
Nun habe man zwar eine schöne neue Straße — die Verkehrsprobleme seien
aber mangels eines Konzeptes immer noch unerledigt. Diese Ansicht wurde
unterstrichen durch einen Stadtplan-gestützten Vortrag von Thomas
Wolpensinger vom Verein „Bürger für die Goethestraße“, der den scheinbar
unauflösbaren Widerspruch aus guter Erreichbarkeit der Altstadt und
hoher Busbelastung durch ein von SPD-Stadtrat Florian Janik angeregtes
Mediationsverfahren gelöst sehen möchte. In diesem sollten endlich
Vorschläge zur Entlastung der Innenstadt, nicht bloß vom Busverkehr,
durch eine Diskussion auch unkonventioneller Ideen eingelöst werden.
Weder die „Hauptverkehrsachse Goethestraße“ noch die Henkestraße sollten
ausgenommen werden.
Oberbürgermeister Siegfried
Balleis durchschneidet, flankiert von Stadtplanerin Annette
Willmann-Hohmann und Tiefbau-Chef Rudolf Sperber, das Absperrband.
Die Altstadtbewohner setzen auch darauf, dass sich die Stadt
beim Ausbau der S-Bahn die Chance nicht entgehen lässt, durch eine
„Öffnung“ der Münchener Straße im Bereich Martinsbühl den Busverkehr vom
Landkreiswesten anders zu führen — „wenn wir das versäumen, ist für die
nächsten 80 Jahre zappenduster“, so Janik.
Durch den Umbau der Goethe- und der Heuwaagstraße für insgesamt 2,7
Millionen Euro — die Stadt und die Anlieger mussten jeweils rund 850000
Euro beisteuern — konnten entlang der Goethestraße reguläre
Kurzzeitparkplätze geschaffen werden. Vor dem Umbau hatten sich die
Autofahrer selbst ihren Parkraum „geschaffen“.
Den in der Straße beheimateten Lokalen bietet sich durch die erheblich
breiteren Gehwege nun mehr Raum für eine Außenbestuhlung, zu Gunsten der
breiteren Gehwege wurde die Fahrbahnbreite von 7,50 auf 6,50 Meter
verringert. Für den Busverkehr, der rund eine Stunde nach der Eröffnung
wieder in vollem Umfang aufgenommen wurde, stellt die verringerte
Fahrbahnbreite erhöhte Anforderungen — die Fahrer müssen aufmerksam und
vorausschauend fahren, da jedes weitere Fahrzeug zum Hindernis wird.
Wirklich „abschreckend“?
Am südlichen „Eingangstor“ der Goethestraße wurden Fahrbahn- und
Gehweghöhe angeglichen. Das führt zwar zu mehr Fußgängerfreundlichkeit,
besonders auch für Menschen mit Handicaps. Durch seine flacheren
Gehsteige wirkt der Bereich nun aber ungleich weiträumiger und
großzügiger als beabsichtigt. Der ursprünglich gewünschte
„Abschreckungscharakter“ durch die tatsächlich geringere Fahrbahnbreite
wird dadurch abgeschwächt.
Unterstrichen werden soll der „Torcharakter“ des Zugangs zur Altstadt
durch zwei Linden, die rechts und links gepflanzt wurden. Vor allem aber
auf der Westseite (vor dem Tio) ist eine starke Verbesserung
eingetreten, da die ehemalige Fahrbahnteilung aufgehoben wurde und nun
eine durchgängige und großzügige Fläche geschaffen wurde.
Neu auch: Durch den Einbau von Leitelementen im Boden sowie einem
Taktsignal an der westlichen Ampelanlage können Sehbehinderte die Straße
der Kreuzung Güterhallenstraße sicher überqueren. Neu, wenn auch nicht
von allen Stadträten als geglückt angesehen, ist auch ein in den
Straßenbelag eingearbeitetes anthrazitfarbenes Betonband. Es zeigt den
früheren Verlauf der Stadtmauer und damit die Grenze der historischen
Innenstadt.
PETER MILLIAN
- Lokalredaktion