Goethestraße und alte Fragen wieder offen

20.11.2010

Mit der Wiederaufnahme des Busverkehrs wird die Forderung nach einer neuen Verkehrsplanung wieder laut

Mit freundlicher Genehmigung der Erlanger Nachrichten

 

Nach rund 16 Monaten Bauzeit sind am Freitag die letzten Arbeiten zur Sanierung der Goethestraße weitgehend abgeschlossen worden. Oberbürgermeister Siegfried Balleis gab die wichtige Straße um 11 Uhr wieder für den Verkehr frei, ab 12 Uhr fuhren die Linienbusse. Die Anwohner und Geschäftsleute bekräftigten auf einer Versammlung am Vorabend ihre Skepsis darüber, ob der Ausbau eine Verbesserung darstelle.

Schon kurz nach der Freischaltung der Ampeln erprobten die Busse den neuen Straßenbelag  in der  Goethestraße.
Schon kurz nach der Freischaltung der Ampeln erprobten die Busse den neuen Straßenbelag in der Goethestraße.
Foto: Bernd Böhner

Der „Ansturm“ des Busverkehrs auf die wieder eröffnete Goethestraße wurde am Donnerstagabend auf einer Versammlung der Goethestraße-Anwohner und der Geschäftsleute vorweggenommen. Bei dem Treffen, an dem auch Stadträte der CSU, der SPD, der Grünen und der ÖDP teilnahmen, wurde noch einmal betont, dass — so Frank Höppel von der ÖDP — die nördliche Innenstadt erst ein neues Verkehrskonzept benötigt hätte, und erst dann der Umbau der Goethestraße hätte erfolgen sollen. Nun habe man zwar eine schöne neue Straße — die Verkehrsprobleme seien aber mangels eines Konzeptes immer noch unerledigt. Diese Ansicht wurde unterstrichen durch einen Stadtplan-gestützten Vortrag von Thomas Wolpensinger vom Verein „Bürger für die Goethestraße“, der den scheinbar unauflösbaren Widerspruch aus guter Erreichbarkeit der Altstadt und hoher Busbelastung durch ein von SPD-Stadtrat Florian Janik angeregtes Mediationsverfahren gelöst sehen möchte. In diesem sollten endlich Vorschläge zur Entlastung der Innenstadt, nicht bloß vom Busverkehr, durch eine Diskussion auch unkonventioneller Ideen eingelöst werden. Weder die „Hauptverkehrsachse Goethestraße“ noch die Henkestraße sollten ausgenommen werden.


Oberbürgermeister Siegfried Balleis durchschneidet, flankiert von Stadtplanerin Annette Willmann-Hohmann und Tiefbau-Chef Rudolf Sperber, das Absperrband.
Oberbürgermeister Siegfried Balleis durchschneidet, flankiert von Stadtplanerin Annette Willmann-Hohmann und Tiefbau-Chef Rudolf Sperber, das Absperrband.

Die Altstadtbewohner setzen auch darauf, dass sich die Stadt beim Ausbau der S-Bahn die Chance nicht entgehen lässt, durch eine „Öffnung“ der Münchener Straße im Bereich Martinsbühl den Busverkehr vom Landkreiswesten anders zu führen — „wenn wir das versäumen, ist für die nächsten 80 Jahre zappenduster“, so Janik.

Durch den Umbau der Goethe- und der Heuwaagstraße für insgesamt 2,7 Millionen Euro — die Stadt und die Anlieger mussten jeweils rund 850000 Euro beisteuern — konnten entlang der Goethestraße reguläre Kurzzeitparkplätze geschaffen werden. Vor dem Umbau hatten sich die Autofahrer selbst ihren Parkraum „geschaffen“.

Den in der Straße beheimateten Lokalen bietet sich durch die erheblich breiteren Gehwege nun mehr Raum für eine Außenbestuhlung, zu Gunsten der breiteren Gehwege wurde die Fahrbahnbreite von 7,50 auf 6,50 Meter verringert. Für den Busverkehr, der rund eine Stunde nach der Eröffnung wieder in vollem Umfang aufgenommen wurde, stellt die verringerte Fahrbahnbreite erhöhte Anforderungen — die Fahrer müssen aufmerksam und vorausschauend fahren, da jedes weitere Fahrzeug zum Hindernis wird.

Wirklich „abschreckend“?

Am südlichen „Eingangstor“ der Goethestraße wurden Fahrbahn- und Gehweghöhe angeglichen. Das führt zwar zu mehr Fußgängerfreundlichkeit, besonders auch für Menschen mit Handicaps. Durch seine flacheren Gehsteige wirkt der Bereich nun aber ungleich weiträumiger und großzügiger als beabsichtigt. Der ursprünglich gewünschte „Abschreckungscharakter“ durch die tatsächlich geringere Fahrbahnbreite wird dadurch abgeschwächt.

Unterstrichen werden soll der „Torcharakter“ des Zugangs zur Altstadt durch zwei Linden, die rechts und links gepflanzt wurden. Vor allem aber auf der Westseite (vor dem Tio) ist eine starke Verbesserung eingetreten, da die ehemalige Fahrbahnteilung aufgehoben wurde und nun eine durchgängige und großzügige Fläche geschaffen wurde.

Neu auch: Durch den Einbau von Leitelementen im Boden sowie einem Taktsignal an der westlichen Ampelanlage können Sehbehinderte die Straße der Kreuzung Güterhallenstraße sicher überqueren. Neu, wenn auch nicht von allen Stadträten als geglückt angesehen, ist auch ein in den Straßenbelag eingearbeitetes anthrazitfarbenes Betonband. Es zeigt den früheren Verlauf der Stadtmauer und damit die Grenze der historischen Innenstadt.

PETER MILLIAN - Lokalredaktion

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