Mit freundlicher Genehmigung der Erlanger Nachrichten
ERLANGEN
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Städtische Strukturen,
also Straßen, Plätze und Gebäude, verstehen zu wollen, geht in der
Erlanger Zentralstadt nicht, wenn man nicht die ursprüngliche Idee ihrer
Planer versteht. Denn Erlangen ist schon vor dem (Alt-)Stadtbrand im
Jahr 1706, genauer: seit 1686, eine auf dem Reißbrett geplante Stadt,
deren ursprüngliche Symmetrie um eine Mitteachse, die „principale Rue“,
heute noch in Teilen erkennbar ist.
Der Erlanger Stadtarchivar Andreas Jakob hat nun der
wichtigsten Nord-Süd- und Ost-West-Achse, der Goethe- und der
Heuwaagstraße, ein reich bebildertes Büchlein gewidmet, das
Stadtgeschichte im Wortsinne (be-)schreibt, stellt es doch das Detail
ins große Umfeld, sucht es die Belege für den großen Wurf auch im
Kleinen.
Jakob, selbst Historiker, gibt sich in seiner
Darstellung der Entwicklung der Erlanger Planstadt vom Entwurf des
thüringischen Baumeisters Johann Moritz Richter bis zur heutigen
Stadtplanung durchaus unbescheiden und attestiert der Stadt eine
Bedeutung, die an heute noch viel bekanntere Maßnahmen heranreicht. Der
Archivoberrat entdeckt in Erlangen „ein reiches geschichtliches Profil,
wie es in der Vielfalt fränkischer Städte ohne Beispiel ist“ — eine
Sichtweise, die sich nach langen Jahren der Reserviertheit heute auch
die offizielle Selbstdarstellung der Stadt angeeignet hat.
Lange Geschichte
Der
langen Geschichte der Straße, ihrer baulichen und gestalterischen
Entwicklung, ist der tragende Aufsatz des reich bebilderten Bandes
gewidmet, ein Aufsatz, der auch ganz unfreiwillig mit dem Vorwort
kontrastiert. In diesem greift Oberbürgermeister Siegfried Balleis die —
aus historischer Sicht eher „kurzfristigen“ — Probleme auf, die die
Stadt mit der Straße und die Bewohner dieser Straße mit dem Rest der
Stadt haben. Der Aufsatz Jakobs seinerseits zeigt, dass die Straße
„historisch“ eine ganz andere Funktion hatte, eher dem „Nahverkehr“ und
der Repräsentation in der Innenstadt diente, nicht aber Einfallstor für
den Verkehr aus dem Umland war.
In zahlreichen Beispielen
einzelner Gebäude arbeitet Jakob die Besonderheiten der barocken
Planstadt und ihrer Baudenkmale heraus, zeigt kuriose und spannende
Einzelbeispiele und Kontinuitäten. Er widmet sein „Nachwort“ aber auch
den heutigen Bewohnern, die er quasi ermuntert, ihre Straße(n) trotz
(oder wegen?) der langen Geschichte nicht als Museum zu begreifen.
Gleichwohl ist er davon überzeugt, dass das Festhalten am ursprünglichen
Charakter der Straßen heute deren Überlebenschance darstellt.
Andreas Jakob (Hrsg.), Die Heuwaag- und Goethestraße in Erlangen, Tümmel-Verlag Nürnberg
